Die Gründung

Die Gründung der Buchhandlung im Jahre 1969 geht auf die Initiative von Menschen zurück, deren Lebensgeschichte maßgeblich von den Folgen einer Behinderung geprägt war. Damals fanden von individuellen Folgen einer Behinderung betroffene Menschen, trotz sehr guter beruflicher Qualifikation selten einen Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt.


Selbstbestimmung hat Tradition

Selbstbestimmtes Handeln ist für Menschen mit Behinderungen bis heute keine Selbstverständlichkeit.
Warum das so ist erfahren wir erst, wenn wir uns einmal fragen, woher unsere eigene Vorstellung darüber kommt, wie Menschen mit Behinderungen am Besten leben und wo bzw. was sie arbeiten.
Bei der Suche nach den Faktoren, die unser Denken bis heute beeinflussen stellen wir fest, dass die Frage der Inklusion die Frage der vollen sozialen gesellschaftlichen Teilhabe bzw. die Frage behinderter Menschen nach Teilhabe im Arbeitsleben aufgrund einer schlichten Nutzungsänderung über Jahrzehnte hinweg jede gesellschaftliche Relevanz verloren hatte. Die Fremdbestimmung den Lebensmittelpunkt behinderter Menschen betreffend hat Ihren Anfang genommen, wo im Zuge der Reformation kirchliche Klöseter verstaatlicht wurden und mangels einer geeigneten Nutzung dem Zerfall ausgsetzt waren. 
Die Nutzung dieser Klöster, als Heilanstalten  - im gut gemeinten Sinne staatlicher Fürsorge - sorgte dafür, dass Menschen mit Behinderungen in weit entfernte Heilanstalten verlegt wurden. Im Alltag der Gesellschaft waren sie sozusagen über Nacht nicht mehr sichtbar. Die Lebenswirklichkeit behinderter Menschen löste sich vollständig vom gesellschaftlichen Leben. So geprägt mag es dem einen oder anderen sehr wunderlich erscheinen, wenn heute die Diskussion einen so hohen Stellenwert in der Sozialpolitik einnimmt.
Was Menschen mit Behinderungen brauchten bestimmten über einen Zeitraum von weit über 100 Jahren staatliche Institutionen und die freien Wohlfahrtsverbände.

Wir stellen heute nicht ohne Stolz fest, dass die Geschäftsbereiche der Krautheimer Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und die sozialpolitischen Erfolge des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. nicht Ergebnis der Ideen staatlich finanzierter Fürsorge sind. Die Wurzeln der Teilhabe im Arbeitsleben unserer Werkstatt liegen im selbstbestimmten Handeln einzelner behinderter Menschen, die etwas unternommen haben gegen die drohende Abhängigkeit staatlicher Fürsorge.  So geht auch die Existenz des heutigen Buchhandels der Krautheimer Werkstätten auf das vorbildliche Engagement einzelner Menschen zurück, die ihren Behinderungsfolgen zum Trotz ein Unternehmen aufgebaut haben. Das Wille zum selbstbestimmten gleichberechtigten Leben, einem Leben frei von Alimentierung und bevormundender Fürsorge, möglichst auf der Grundlage eines eigenen auskömmlichen Einkommens, prägt somit unsere Unternehmenskultur und das Selbstverständnis aller Mitarbeiter in den Krautheimer Werkstätten.